Buchvorstellung Allerley Schlemmerey – Kochen wie im Mittelalter

Allerley Schlemmerey ist eins der Kochbücher, welche ich von meiner Mutter geerbt habe. Daraus gekocht hatte ich allerdings noch nicht. Zumindest dachte ich das. Mindestens zwei Gerichte, die ich immer mal wieder zu  Hause oder auf Con zubereite, stammen aus diesem Kochbuch. Gut, seien wir ehrlich. Es sind auch Rezepte, die mittlerweile sehr verbreitet sind, aber ich war dennoch sehr überrascht, dass ich exakt die Rezeptvarianten davon koche, die in diesem Kochbuch stehen. Der Knappentext verspricht Gerichte, die einfach zuzubereiten sind und einem die Wartezeit zwischen Mittelaltermärkten und Spektakeln verkürzen soll. Ich lasse jetzt mal das böse Wort mit C außen vor und nehme diese Aussage einfach mal zum Anlass, zwei mir bisher fremde Gerichte zu kochen und euch zusammen mit dem Kochbuch vorzustellen.

Neben einem kleinen Vorwort (hier “Geleyt” genannt), in dem ein bisschen die Essensgewohnheiten im Mittelalter erläutert werden und welche Bevölkerungsschicht was und warum gegessen hat, hilft auch die Aufmachung der Rezeptseiten, sich in das Thema einzufinden. Die Bilder sehen alle aus, als wären sie per Hand gezeichnet und passen sehr gut zu dem rustikalen Eindruck, den das Buch vermittelt. Rezepte sind selten länger als eine Seite und strotzen auch nicht vor Arbeitsschritten, was das Zubereiten wirklich einfach macht. Darüber hinaus lesen sich die Anweisungen sehr leicht und verständlich.

Zu jedem Kapitel gibt es auch nochmal ein kleines Vorwort, in dem die Verwendung der Speisen erklärt wird, was ich total klasse finde. Zum Beispiel steht über die Suppen im Buch, dass sie, anders als heute, hauptsächlich als ganze Mahlzeit stand und bei einem Menü ganz zum Schluss gereicht wurde. Natürlich kenne ich Eintöpfe und Suppen als Hauptgericht, aber der Punkt, dass sie mittlerweile in der Menüreihenfolge nach oben geklettert ist, weil sie dort als Vorspeise zählt, fand ich doch sehr interessant. Ja, ich bin leicht zu beeindrucken, wenn es um Essen geht. Apropos: Ich habe euch ja noch zwei Rezepte versprochen.

Schinken-Huhn in Salbei und Pilze in Honig

Zu dem Huhn muss ich direkt noch eine Kleinigkeit loswerden. Das Originalrezept geht von einem ganzen Huhn aus, das man dann in einen Teigmantel einschlägt und dann in einem Bräter backt. Ich habe mich für Hänchenbrust enschieden und die dann in Teig gewickelt. Nicht nur, dass ich für drei Personen kein ganzes Huhn holen wollte, ich habe es mir auch sehr schwer vorstellen können, wie man ein komplett eingewickeltes Huhn vernünftig aufteilen soll. Ich bin so schon eine absolute Niete, wenn es darum geht ein Huhn zu zerlegen, da wollte ich mir nicht noch zusätzlich die Blöße geben und mich durch eine dicke Teigschicht fräsen. Aber genug geplappert, hier sind die teils angepassten Rezepte für drei Personen.

Zutaten für das Schinken-Huhn in Salbei:
3 Hühnerbrustfilets
Salz
Pfeffer
Öl
3 TL getrockneter Salbei
80 g roher Schinken (Bauernschinken oder Dergleichen)
2 1/2 Tassen Mehl
1 Tasse Wasser

Zubereitung:
Heizt euren Backofen auf 160 Grad Umluft vor.
Wascht die Hühnerbrustfilets, tuft sie trocken und würzt sie von beiden Seiten großzügig mit Salz und Pfeffer. Erhitzt etwas Öl in einer Pfanne und bratet das Fleisch darin von allen Seiten scharf an. Es muss nicht komplett durch sein, es kommt noch in den Ofen.
Mischt nun Wasser und Mehl und knete daraus einen festen Teig. Teilt ihn in drei Portionen, rollt diese separat aus und bestreut jede Portion mit einem Teelöffel Salbei. Wickelt das Huhn in Schinken ein (zwei Scheiben pro Brust sollten reichen) und ummantelt es dann mit dem Teig. Wiederholt den Vorgang mit den anderen beiden Hühnerbrustfilets, legt sie auf ein Backblech und schiebt sie für etwa 30 Minuten in den Ofen. Während das Huhn backt, könnt ihr eure Beilage zubereiten.

Zutaten für Pilze in Honig:
600 g Pilze
3 EL Olivenöl
3 EL Honig
3 EL Tomatenmark
3 TL getrockneter Liebstöckel
1 TL Pfeffer

Zubereitung:
Putzt die Pilze und viertelt sie. Rührt Olivenöl, Honig und Tomatenmark in einer Schüssel zusammen und gebt die Mischung in eine Pfanne und erhitzt sie, bis die Mischung anfängt zu köcheln. Gebt dann die Pilze, den Liebstöckel und den Pfeffer hinzu und lasst alles so lange kochen, bis die Pilze iihre Flüssigkeit abgegeben und die Sauce wieder aufgenommen haben. Am Ende sollte die Sauce schön an den Pilzen kleben.

Holt das Huhn aus dem Ofen und serviert es zusammen mit den Pilzen. Guten Appetit!

Fazit:
Die beiden von mir hier gezeigten Rezepte sind sehr lecker und mal ein bisschen was Anderes, als das, was man sonst so kocht. Wirklich viel aufwendiger ist es tatsächlich nicht und alles in allem sind die Rezepte wirklich einfach nachzukochen, also auch etwas für Neulinge. Wer einen einfachen Einstieg in die mittelalterliche Küche möchte, sollte sich dieses Buch zulegen, denn ich bin der Meinung, dass jeder etwas darin finden wird!

Sobald es wettertechnisch wieder besser ist, entstaube ich meine Lagerküche und werde einige Rezepte aus Allerley Schlemmerey auf “tradionelle” Art und Weise kochen und dann berichten, wie gut sie für die Lagerküche geeignet sind.

Name: Allerley Schlemmerey – Kochen wie im Mittelalter
ISBN: 978-3-939722-18-2
Sprache: Deutsch

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