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Kerzen gießen – Grundlagen

Nachdem ich nun beschlossen habe, den Blog nicht nur zur Präsentation meiner Bentos zu nutzen, sondern allgemein meine Basteleien vorzustellen möchte ich mit Kerzen beginnen. Erst möchte ich einfach ein paar Grundlagen erklären und dann später, sofern ich zwischendrin nicht die Lust verliere, verschiedene Techniken vorstellen, die ich so ausprobiert habe.
Ich versuche alles so genau wie möglich zu erklären sollte jedoch jemand Fehler finden bitte einfach melden =D Keiner ist perfekt und ich beschreibe hier hauptsächlich aus meiner Erfahrung beim Gießen ^^

Zuerst einmal was benötigt man für die erste selbst gegossene Kerze?

1. Wachs
2. Docht
3. Formen
4. Topf
5. Gefäß zum Wachsschmelzen
6. Thermometer

1. Wachs

Hier gibt es einige Auswahl. Ich möchte erst mal die Wachssorten vorstellen, mit denen ich schon einmal gearbeitet habe.

Paraffin: Damit fängt man eigentlich so an. Hier kann man einfach die gewünschte Menge Wachs in das Gefäß werfen, einschmelzen und in die Form gießen ohne viel nachzudenken. Je nach Wachs Ist der Schmelzpunkt zwischen 56°C und 62°C (zumindest was ich bisher so gesehen habe). Das steht aber meistens auch noch mal auf den Packungen drauf. Wenn man bei höheren Temperaturen das Wachs in die Form gießt, wird die Kerze schön glatt. Wenn man näher am Schmelzpunkt ist, bekommt man schon mal kleine Rillen die auch sehr nett aussehen.

Rapswachs: Ist ähnlich leicht zu gießen wie Paraffin. Rapswachs schmilzt bei etwa 60°C. Die Kerze ist dann allerdings vom Aussehen her eher porzellanartig und die Farben werden eher Pastell als kräftig.

Stearin: Ist schon etwas aufwändiger in der Verarbeitung. Stearinwachs ist härter als Paraffinwachs und zieht sich beim Abkühlen nicht automatisch etwas zusammen. Um diesen Wachs am ende wieder aus der Form zu bekommen muss man Schrumpfwachs hinzugeben oder ihn mit Paraffinwachs mischen. Dadurch entstehen unterschiedliche Effekte beim Gießen. Wenn man ca. 1-2% Schrumpfwachs zum Stearin gibt, bekommt die Kerze eine kristallartige Struktur, gibt man etwa 5% hinzu wird die Kerze glatt. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich es noch nicht geschafft habe eine glatte Kerze zu bekommen. Allerdings habe ich auch noch nicht so viele Stearinkerzen gegossen. Gleich bei meiner ersten Kerze habe ich einen schönen Effekt hinbekommen, den ich so nicht noch einmal nachmachen konnte. Die Möglichkeit mit Paraffin zu Mischen habe ich noch nicht genutzt daher kann ich dazu noch nichts sagen. Ich denke diesen Part werde ich zu gegebener Zeit ergänzen =D

Schrumpfwachs: Wird benötigt um Stearinkerzen aus der Form zu lösen.

Wachsfarbpigmente: Machen die Kerze bunt =D Hier gibt es viele Farben meistens in kleinen Päckchen, die für etwa 1,5kg Wachs sind. Mischen ist bisher immer schief gegangen daher würde ich behaupten, dass es nicht oder nur sehr schlecht möglich ist. Aber Wachsfarbe kostet nicht die Welt und es gibt reichlich Auswahl.
2. Docht

Jede Kerze braucht den Richtigen Docht, damit sie hinterher vernünftig abbrennt.

Flachdocht kann für alle Wachsarten, außer Bienenwachs, verwendet werden. Bei Flachdocht ist es egal, in welche Richtung er eingelegt wird.

Runddocht kann für alle Wachsarten und Kerzen verwendet werden. Ein Runddocht hat eine flache und eine runde Seite. An der flachen Seite bilden die geflochtenen Fäden eine V-Form. Die V-Spitze soll zur Kerzenunterseite zeigen. Andersherum verwendet entsteht bei der Verbrennung ein Aschekegel.

Teelichtdochte haben einen Fuß und werden für Teelichter oder Kerzensandkerzen verwendet.

Schwimmkerzendochte sind, wie der Name schon sagt, für Schwimmkerzen

Dochte gibt es in verschiedenen Größen. Welche die Richtige ist, hängt davon ab was man haben will. Meistens ist bei der Form eine Empfehlung zur Dochtstärke angegeben. Ich habe mich bisher einfach an selbige gehalten. ^^

3. Formen

Kerzenformen kann man fertig kaufen oder auch selbst basteln. Bisher habe ich noch keine Formen selbst gebastelt also kann ich dazu noch keine Empfehlungen geben. Ich habe meine Formen bisher eigentlich immer Online gekauft. Dabei sollte man allerdings die Augen auf machen und Preise vergleichen. Die können für dieselbe Form stark variieren.
Bei den Formen muss man etwas darauf achten, bis wie viel Grad sie verwendbar sind. Billige Formen sind häufig nur bis 80°C gießbar gute Formen können meist bis 120°C ab, aber so heiß habe ich meinen Wachs noch nie gehabt. Meistens liegt er bei mir irgendwo zwischen 70°C und 90°C wenn ich ihn einfülle.

4. Topf

Brauch ich glaub ich nicht viel was zu sagen. Sollte jeder zu Hause haben. Vielleicht nicht unbedingt Mutters besten Topf verwenden 😉

5. Gefäß zum Schmelzen

Anfangs habe ich den Wachs in größeren (leeren xD) Konservendosen geschmolzen. Funktioniert gut, weil das Metall die Wärme aus dem Wasserbad schön weiter gibt, ist allerdings doof wenn man aus der Dose direkt in die Form gießen will, da die Dose heiß wird.

Inzwischen verwende ich meistens alte Gurkengläser. Das Wachs schmilzt zwar etwas langsamer, da Glas die Wärme nicht so gut weiter gibt ABER es hat den großen Vorteil, dass ich das Glas einfach aus dem Wasserbad nehmen kann, ohne mir daran die Hände zu verbrennen. Dann muss man nur noch auf den aufsteigenden Wasserdampf achten xD Der ist nämlich trotzdem heiß ^^

Man kann sicherlich auch einen kleineren alten Topf verwenden oder sonst irgendwelche Gefäße, die man im Haus so findet und nicht mehr braucht.
Der Vorteil von Dosen oder Gläsern gegenüber einem Topf ist ganz banal: Man kann die Wachsreste drin lassen und mit nem anderen Glas weiter machen. Ich habe insgesamt 2 Gläser für Stearinwachs, 1 Glas für Rapswachs und 5 Gläser für Paraffinwachs.


6. Thermometer

Bin sehr sehr lange ohne ausgekommen. Aber dann hatte ich einige Formen, die man nur bis 80°C gießen durfte und dann habe ich mir eins gekauft. Ist also mehr so ne Option, wie gesagt, bin vorher sehr lange mit den guten Formen ohne ausgekommen =D

Jetzt habe ich alles beisammen und wie gieße ich jetzt meine erste Kerze?

1. Form/Formen vorbereiten
Ich fange immer damit an, dass ich mir die Kerzenformen vorbereite. Sprich den Docht rein mache. Dazu den passenden Docht einfach durch das entsprechende Loch in der Gießform stecken und am anderen Ende an einen Stab binden.

Dann den Docht straff ziehen, dass er schön gerade in der Form hängt und unten mit Knete (ist meistens bei den Formen dabei, ansonsten tuts bestimmt auch normale Kinderknete.. aber das ist nicht getestet ich hatte immer welche dabei und die hält fast ewig) gut fixieren und dann den übrigen Docht abschneiden.

Den großen Dochtknubbel lasse ich immer an der Spitze dadurch kann man dann schön passend abschneiden und hat nicht zu viel Docht verschwendet, weil man sich verschätzt hat.

Damit ist die Form dann fertig.

2. Arbeitsplatz vorbereiten
Schafft euch Platz zum Gießen. Es ist blöd, wenn man mit dem heißen Wachs in der Hand irgendwo aneckt und dinge runter wirft ^^
Wenn man direkt aus dem Glas schüttet ist es ganz praktisch sich Alufolie unter die Form zu legen. Da kann man den Wachs ganz gut wieder runter bekommen wenn mal was daneben geht =D
Wenn man nur mit einem Topf arbeitet kann man sich auch aus Alufolie kleine Schalen bauen da kann man dann überflüssigen Wachs rein schütten und für Später aufheben.

3. Kerzenwachs im Wasserbad schmelzen und einfüllen
Kann man im Prinzip auch schon direkt als erstes machen weil es was länger dauert aber ich mache es immer erst, wenn alles vorbereitet ist =D
Man stellt sich einen Topf mit Wasser, Achtung nicht zu viel dann kippen die Gläser gerne mal um,  auf den Herd und stellt die mit Wachs gefüllten Gläser ein. Für die passende Menge gibt es kein Rezept das muss man einfach mit der Erfahrung sehen wie viel die passende Menge ist lieber etwas zu viel Wachs vorbereiten als zu wenig! Gerade wenn man das Wachs einfärbt muss man sonst beim zweiten Mal die Farbe wieder richtig treffen.

Sobald das Wachs geschmolzen ist, kann man es dann in die Form füllen. Wie man es macht bleibt einem selbst überlassen ich gieße es direkt aus dem Glas. Wichtig ist, dass man das heiße Wachs zügig einfüllt. Ich gieße meine Kerzen meistens bei einer Wachstemperatur von ~90°C. Da dann die Oberfläche schön glatt und glänzend wird. Außerdem löst sie sich besser aus der Form. Wenn man kein Thermometer hat, kann man das Wachs nachdem es vollständig geschmolzen ist noch so 10-15 Min einfach im Wasser stehen lassen.
Beim Abkühlen bildet sich meistens ein kleiner Krater. Diesen sollte man vor dem vollständigen erkalten der Kerze mit heißem Wachs auffüllen. Je nach Form kann es durchaus sein, dass man 4-5 Mal nachschütten muss. Ein kleiner Krater ist nicht schlimm, da es ja eh der Boden der Kerze ist.
Dann heißt es warten, bis die Kerzen ausgekühlt sind.

4. Entformen
Wenn die Kerze richtig kalt ist macht man unten die Knete ab und zieht vorsichtig am Stab, mit dem man den Docht zuvor fixiert hat. Meistens löst sich die Kerze von selbst, wenn sie sich nicht löst, von allen Seiten die Form mal leicht drücken oder gegen klopfen. Hilft alles nichts, kann man die Kerze auch ganz kurz in den Kühlschrank oder das Eisfach legen (da kanns dann aber passieren, dass der Wachs sprünge bekommt. Ist also nur wenn man ganz verzweifelt ist zu empfehlen).

Bei einer Form die aus zwei Teilen besteht, kann man die beiden Teile auseinander ziehen. Sollte sich die Kerze nicht lösen, helfen auch hier die Tipps von oben.

5. Fertigstellen
Zu guter Letzt muss man den Stab entfernen und die Kerze unten begradigen, damit sie schön steht. Ich mach das meistens mit einem scharfen Messer. Man kann die Kerze aber auch über Schmirgelpapier reiben.
Wenn man Kerzenformen hat, die aus zwei Teilen bestehen bildet sich an der Schnittstelle häufig ein kleiner Grat den kann man ebenfalls mit einem Messer vorsichtig entfernen.
Eventuell muss man auch noch den Docht an der Spitze etwas kürzen, falls er zu lang geworden ist.
So das wäre es dann erstmal zum Thema Kerzen ^^
Wenn ich irgendwann Zeit und Laune dazu habe, werde ich noch verschiedene Techniken vorstellen mit denen man auch sehr schöne Kerzen machen kann.